Am 02. November 2010 konnte unsere Vorsitzende Ute Stimper in der Alten Meierei die 2. Veranstaltung mit unserer Polizei eröffnen. Sie begrüßte Herrn Ernst Jenner, unseren örtlichen Polizeichef, und von der Ratzeburger Polizeidirektion Herrn Gerd Dietel, den Leiter des Sachgebiets Prävention sowie den ortsansässigen Rechtsanwalt und Strafverteidiger Peter Stimper.
Herr Dietel erläutert den gut 50 anwesenden Schwarzenbekern die Aufgaben seines Sachgebietes und anhand von Fallbeispielen mit welchen Methoden Kriminelle Straftaten begehen. Aus den Bereichen Tür-/Haus- und Straßengeschäfte, Bargeldloser Zahlungsverkehr (Geldautomat, Internet, mutmaßliche „Fehlbuchungen“) sowie Betrug in all seinen Erscheinungsformen konnte er anschaulich berichten, oftmals mit kleinen Anekdoten bereichert. Zu jedem Thema kamen natürlich Tipps und Ratschläge zur Vermeidung bzw. zur Vorbeugung. Herr Jenner brachte sich in die Themen ein und hat von Straftaten aus dem Bereich Schwarzenbek berichtet, auch natürlich mit welchen manchmal einfachen Mitteln man sich schützen kann.
Herr Jenner warnte noch einmal eindringlich davor, selbst den "Helden" zu spielen, besser sei es in fast jeder Situation die Polizei per Notruf 110 zu rufen, denn die Beamten sind auch diese Situationen geschult und können besser reagieren. Denn - so liest man es fast täglich in den Medien - heute hat sich schon fast jeder sog. Kleinkriminelle bewaffnet, und sei es mit dem Schrauberdreher, der angeschliffen wurde, um Tür oder Fenster zu öffnen. Als Beispiel schilderte er die unangenehme Situation: Man liegt im Bett und hört von der eigenen Wohnungstür oder an den Fenstern undefinierbare Geräusche; falsch wäre sicherlich schlaftrunken und im Dunkeln zu versuchen, den Einbrecher zu überwältigen. Der Einbrecher hat sich und seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt, er ist hellwach und sein Adrenalin putscht ihn auf. Besser wäre es in dieser Situation die Polizei telefonisch über Notruf 110 zu informieren und ggf. Licht im Zimmer / Flur zu machen; abzuraten ist normalerweise von einem Angriff auf den Täter ...
Die Herren Dietel und Jenner sagten, dass man auch im Zweifelsfall (... warum sieht man Taschenlampen im Nachbarhaus? ...) die Polizei rufen sollte, die Beamten überprüfen die Situation! Auch wenn sich nachher herausstellen sollte, dass der Nachbar bei Stromausfall seinen eigenen Sicherungskasten gesucht hat, war es gut, vorbeugend die Polizei zu informieren.
Auch die sog. Drückerkolonne, die meist unter Vorwand auf eine schnelle Unterschrift drängen, sollte man der zuständigen Polizei melden, denn auch hier sind viele schwarze Schafe unterwegs, die mit unlauteren Methoden unser Bestes wollen - unser Geld!
Weiterhin erwähnte Herr Dietel die Handwerkskolonnen, die ungerufen ihre Dienste anbieten - natürlich gegen Vorkasse oder Teilzahlung. Hier wird auch oft mit psychologischen Tricks oder vermeintlich guten Preisen versucht, dem Kunden die Dienstleistung zu verkaufen. Manchmal stehen die Leitern schon am Dach, Handwerker inspizieren den Schornstein oder die Dachziegel wurden bewegt, obwohl noch kein Auftrag erteilt wurde; nun möchte man Geld, damit der Ursprungszustand wieder hergestellt wird - natürlich zu Unrecht ...
Auch die sehr wichtigen Bereiche „Verhalten als Zeuge/Betroffener einer Straftat“ haben die Herren Dietel, Jenner und Stimper angesprochen und wichtige Tipps gegeben.
Ergänzend konnte Herr Stimper aus seiner Tätigkeit informieren und den Anwesenden die teils für Laien unverständliche Gesetzgebung veranschaulichen; auch hier konnte man manche Erfahrung mit nach Hause nehmen, die einem sicher hilfreich ist. So zeigte uns Herr Stimper z. B. auf, dass Protokolle der Polizei Ermittlungsunterlagen sind, die man selbst nicht mehr einsehen darf – egal ob man Zeuge, Betroffener oder Straftäter ist; allerdings haben Täter und Geschädigte - im Gegensatz zu Zeugen - die Möglichkeit, über einen Rechtsanwalt Akteneinsicht zu nehmen. Es sei also sehr hilfreich sich unmittelbar nach dem Geschehnis baldigst eigene Aufzeichnungen zu fertigen, die Tathergang, Personenbeschreibung sowie sonstige Details zu Örtlichkeiten, Fahrzeugen usw. sauber beschreiben. Denn oftmals seien Strafprozesse erst 12 oder noch mehr Monate später. Und wer kann sich dann noch an Details erinnern, die vor Gericht natürlich von den gegnerischen Anwälten akribisch hinterfragt werden. So manch Prozess ist leider auf Grund der Differenzen zwischen Aussagen vor der Polizei und vor Gericht eingestellt worden ...
Die Anwesenden haben natürlich an die Referenten Fragen stellen können, es blieb wohl nichts unbeantwortet. Auch nach dem Vortrag bzw. der Diskussion blieben einige in kleinen Grüppchen stehen und unterhielten sich weiter über die sehr interessanten Themen. Auch Einzelgespräche waren natürlich im Anschluss möglich.
Zu guter Letzt konnte man sich mit reichlich Info-Material eindecken, das Herr Dietel aus Ratzeburg mitgebracht hat. Die Schilder „Vorsicht – wachsamer Nachbar“ wird Herr Dietel nachreichen, wir werden sie auf dem Weihnachtsmarkt und auf unserer Jahreshauptversammlung unseren Mitglieder zur Verfügung stellen.
Hier noch die Internet-Seiten, die erwähnt wurden:
www.polizei-beratung.de
www.bsi-fuer-buerger.de
www.pfiffige-senioren.de
Wir möchten uns auf diesem Weg noch einmal bei den drei Referenten für den informativen Abend bedanken und würden uns freuen, wenn wir die Themenreihe mit ihrer Unterstützung in 2011 fortsetzen können!
(auf dem Foto von links: Herr Dietel, Herr Stimper, Herr Jenner)